Wildbienen auf dem Feld: Große Vielfalt im Kleinen

Sie sind uns allen präsent, in ihrem Bestand sind sie hoch gefährdet und auf dem Tempelhofer Feld sind sie scheinbar überall: Wildbienen. Wer beim Spaziergang über die Wiesenflächen des Feldes den Blick auf den Boden richtet, kommt kaum an ihnen vorbei. Besonders an sonnigen Tagen sind sie unterwegs und sammeln Pollen, Nektar und Nistmaterial.


Wildbiene beim sammeln von Nektar 

Ihre Gewohnheiten

Ihre Ansprüche sind so unterschiedlich wie ihr Aussehen. Sie nisten im Erdboden, in hohlen Pflanzenstängeln oder bestehenden Hohlräumen. Ein Viertel der Arten legt die Eier in fremde Nester. Einige benötigen spezielle Materialien für den Nestbau oder Nahrung von nur einer Pflanzenart. Alle sind darauf angewiesen, Nahrung und Nistmaterial möglichst in der Nähe ihres Nistplatzes zu finden. Die max. Flugdistanz liegt bei den Meisten zwischen 300 und 15oo Metern, ideal sind 200 – 300 m. Sind die Wege weit, kann die Biene weniger Brutzellen anlegen und die bereits angelegten weniger gut versorgen. Auch das ein Grund für kleiner werdende Bestände. (Quelle 1)

Situation auf dem Feld

Auf dem Tempelhofer Feld wurden 2019 im Rahmen des regelmäßig stattfindenden naturschutzfachlichen Monitorings (Quelle 2) das Gelände am „Alten Hafen“, die „Alte Gärtnerei“ und Urban Gardening Flächen an der Oderstraße untersucht und 75 Arten nachgewiesen. Im Vergleich zu 2005 wurden 19 Arten erstmalig nachgewiesen, 63 nicht mehr gefunden. Die Verfasser gehen von einem ernst zu nehmenden Arten-Rückgang aus und bringen dies u.a. mit einer Verarmung an Nahrungspflanzen für Bienen in Verbindung. Dies gilt besonders für diejenigen Arten, die hochspezialisiert sind und sich nur von einer oder wenigen Pflanzenarten ernähren. 

Acht der nachgewiesenen Arten finden sich auf der Roten Liste (Quelle 3). Die klimatischen Bedingungen scheinen aber auch dafür zu sorgen, dass sich das deutschlandweit reichste Vorkommen einiger Arten auf dem Tempelhofer Feld findet.


Wildbiene von hinten

Insgesamt werten die Verfasser das Ergebnis der Untersuchung als Hinweis auf ein beginnendes Schwinden der Artenvielfalt auf dem Feld und meinen, es könnte helfen, das Nahrungsangebot für die Bienen zu vergrößern und für größeren pflanzlichen Artenreichtum zu sorgen. Bereits kleine Veränderungen bei der Bewirtschaftung werden hier helfen. Auch die gegenwärtig erprobte Beweidung kann zu mehr Blütenvielfalt führen und am südlichen Tempelhofer Damm werden in Kürze zusätzlich Wildkräuter-Blühstreifen angelegt. 

Die Strukturvielfalt des Geländes um den Alten Hafen begünstigt das Vorkommen zahlreicher Arten. Bodenbewohnende Bienen ziehen Nutzen aus dem Anlegen kleiner, offener Bodenstellen, belassene Hecken und Pflanzenstängel erhöhen das Nistplatzangebot für in Holz und Stängeln nistende Arten. 

So werden vielfältigste Anstrengungen unternommen, damit auf dem Tempelhofer Feld Artenvielfalt auch in Zukunft unmittelbar zu erleben ist.

Es ist nicht immer leicht, die Arten zu bestimmen, die auf dem Tempelhofer Feld zu beobachten sind. Eine Möglichkeit bietet u.a. der „Wildbienenfinder“ auf der Seite https://www.wildbienenwelt.de

Autor: Wilfried Buettner, September 2020


Quellen

1. Werner David - Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen, 4. Auflage 2019 Pala Verlag.

2. Tempelhofer Feld Naturschutzfachliches Monitoring Ergebnisse 2019, Seite 38 ff.                                    

3. https://www.rote-liste-zentrum.de/de/Bienen-Hymenoptera-Apidae-1733.html



Mehr erfahren über die Tierwelt auf dem Tempelhofer Feld:
» Wildbienen – Teil 2

» Der Steinschmätzer