Philipp Gieseler ist im Vorstand des Allmende-Kontors tätig. Wir sprachen mit ihm über die Entwicklung des Projekts auf dem Tempelhofer Feld, über Beetgemeinschaften und die Pläne für die kommende Jahr.


Worum geht es bei den Allmende-Gärten und seit wann sind sie auf dem Feld?

Eine Allmende ist eine uralte Neuigkeit, ein gemeinsam bewirtschafteter öffentlicher Raum, ein „Geschenk an alle“. In diesem Sinne soll der interkulturelle Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor ein nicht-kommerzieller öffentlicher Ort der Ruhe und Erholung sein, an dem sich Menschen aller Kulturen willkommen fühlen. 

Gegründet wurde der Garten 2011. Mittlerweile werden auf 5000m2 250 Hochbeete von über 500 Gärtner*innen hauptsächlich in kleinen Beetgemeinschaften eigenständig gepflegt.  Im Sinne der Allmende gehören die Beete der Gemeinschaft. Sie sind nur temporär vergeben und sollen ökologisch und ressourcenschonend genutzt werden. Gemeinschaftlich Gärtnern heißt für uns, in der gleichberechtigten Zusammenarbeit mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern, die Vielfalt von Sprachen, Arbeitsweisen, Kunst und Lebenserfahrungen miteinander zu teilen. In gemeinschaftlichen Projekte, wie dem Bienengarten, einem Wassermanagement-Projekt, dem Färberpflanzen-Beet oder der Tanzlinde möchten wir Wissen und Ideen austauschen, Neues ausprobieren und  miteinander lernen.

Während der Gartensaison finden viele gemeinschaftliche Aktivitäten statt, zu denen wir über unsere Website allmende-kontor.de einladen und informieren. Diese drehen sich zum einen um ökologische Themen, wie die Herstellung von Kompost oder der Bau von Hochbeeten, zum anderen organisieren wir Ausstellungen, Konzerte, oder Lesungen, bei denen das interkulturelle Miteinander im Vordergrund steht.

Was ist das Ziel des Projekts und wie wollen Sie dieses erreichen?

Unser Garten möchte die internationale Gesinnung und Toleranz auf allen Gebieten der Kultur sowie das Bewusstsein für (stadt-)ökologische Themen stärken. 
Ein Lernort wird der Garten durch die tägliche gärtnerische Zusammenarbeit, bei der man aufeinander zugehen, Kompromisse eingehen und Lösungen finden muss. Auch die Veranstaltungen und Workshops zielen auf die genannten ökologischen und sozialen Themen ab.
Gemeinschaftsgärten übernehmen soziale, kulturelle und ökologische Funktionen in urbanen Lebensräumen. Durch sie können Engagement, Selbstachtung, Anerkennung, Toleranz und Vertrauen gestärkt werden. Wir möchten gemeinschaftlich einen Ort schaffen, an dem sich Menschen aller Bevölkerungsgruppen willkommen fühlen.

Frau an einem Gerät, das Gartenabfälle manuell zerkleinertGemeinsame Kompostproduktion © Kristin Hensel

Wie ist die Arbeit innerhalb des Projekts organisiert?

Der Garten organisiert und finanziert sich selbst und lebt als basisdemokratisches Gemeinschaftsprojekt von der aktiven Beteiligung seiner Mitglieder.

Um die Kommunikation in einem relativ großen Gartenprojekt zu vereinfachen haben wir den Garten in neun „Farb-Nachbarschaften“ eingeteilt. In jeder Nachbarschaft gibt es eine*n Ansprechpartner*in. Diese*r organisiert die Gemeinschaftsaufgaben der Gruppe, wie z.B. den Wasserdienst, und ist behilflich bei Fragen oder Problemen.

Alle Gärtner*innen sind gebeten, die wichtigen gartenübergreifenden Aufgaben, wie die Versorgung mit Wasser, die Produktion von Kompost und die Instandhaltung gemeinschaftlicher Anlagen, zu unterstützen. Über die Webseite und einen E-Mail-Verteiler werden diese Tätigkeiten organisiert, so gibt es z.B. einen Wasserkalender, der bestimmt, in welcher Woche welche Nachbarschaft für den Wasserdienst zuständig ist.

Auch gemeinschaftliche Projekte, wie der Bienengarten oder das Wassermanagement-Projekt, organisieren ihre Treffen oder Workshops selbstständig. Termine der unterschiedlichen Projekte werden auf unserer Allmende-Kontor-Webseite gebündelt.

Die administrativen und organisatorischen Aufgaben (z. B. die Mitgliederverwaltung, die Organisation der Beetvergabe im Frühjahr, die Planung der Mitgliederversammlung etc.) werden in unseren Orga-Treffen bearbeitet, die vom Vereinsvorstand organisiert werden. Die Treffen finden zweimal pro Monat statt und stehen allen Vereinsmitgliedern und Gärtner*innen offen.

Was plant der Allmende-Kontor für das Jahr 2021?

So wie die meisten unserer benachbarten Pionierprojekte haben wir nächstes Jahr unser zehnjähriges Jubiläum! Den Anlass wollen wir Nutzen und gemeinsam ein Programm zusammenzustellen, um das Jahr 2021 mit geselligen und lehrreichen Veranstaltungen zu feiern. Zudem freuen wir uns natürlich auf eine weitere Gartensaison mit vielen bekannten sowie neuen Gärtner*innen und eine erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Gartengemeinschaft.

Menschen auf einer kleinen Bühne unter einem Sonnensegel musizieren gemeinsam im Sommer
Veranstaltung auf dem „Dorfplatz“

Menschengruppe unter freiem Himmel umring einen umzäunten jungen Lindenbaum
Tanzlindenfest 2019 © Philipp Gieseler

Wie kann ich beim Gärtnern eigentlich mitmachen?

Jedes Jahr werden die nicht genutzten oder verlassenen Beete an neue gartenbegeisterte Menschen vergeben. Um diesen Prozess fair und transparent zu gestalten, organisieren wir am Anfang jeder Gartensaison einen Termin zur öffentlichen Beetvergabe. Da es meist weniger freie Beete als Interessent*innen gibt, werden Beetgemeinschaften geschlossen, in der mehrere Gärtner*innen sich um ein Beet kümmern. 

Auch abgesehen von der Pflege der einzelnen Beeten, gibt es im Garten immer viel zu tun. Bei den wichtigen gemeinschaftlichen Gartenaktivitäten und den Projekten ist Mithilfe immer willkommen. Auf unserer Website werden wir rechtzeitig zur Beetvergabe sowie zu sonstigen Veranstaltungen und Projekten informieren: http://allmende-kontor.de.

Bund frisch geernteter Radieschen in der Hand einer Person
Erntezeit im Gemeinschaftsgarten © Kristin Hensel

Welche Bedeutung hat das THF für Sie? Was ist Ihnen persönlich wichtig daran?

Das Tempelhofer Feld ist ein einmaliger schützenswerter Raum, der sowohl aus sozialen als auch aus ökologischen Gesichtspunkten Nischen bietet, die in Metropolen viel zu selten zu finden sind. Es ist wichtig, gemeinschaftlich und interkulturell orientiertem Denken Orte zu bieten, an denen es Menschen ermöglicht wird, gemeinschaftsstiftende nicht-kommerzielle Ideen umzusetzen.

Imker zeigt Zuschauenden einen Bienenstock
Workshop im Bienengarten mit Imker Jörg Hasenbein



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