6 Fragen an Wilfried Buettner, gewählter Feldkoordinator

Wilfried Buettner

Was hat Sie motiviert, sich als Feldkoordinator*in zu bewerben?

Ich hatte mich gemeinsam mit vielen anderen schon im Vorfeld des 2014 erfolgreichen Volksentscheides für den unveränderten Erhalt des Tempelhofer Feldes eingesetzt, mich anschließend bei der Erarbeitung des heutigen Beteiligungsmodells engagiert. Da lag es nahe, mich für eine Mitarbeit in dem neu geschaffenen Gremium der Feldkoordination als zivilgesellschaftliche Vertreter*in zu bewerben und das habe ich dann bisher zweimal auch getan - und bin beide Male gewählt worden.

Motiviert hat mich mein Interesse am unveränderten Erhalt der einzigartigen innerstädtischen Freifläche Tempelhofer Feld, meine Auffassung, dass sie dauerhaft in kommunalem Besitz verbleiben sollte und meine Überzeugung, dass es die Teilhabe aller an seiner Nutzung und künftigen Gestaltung braucht. 

Deshalb setze ich mich dafür ein, dass Bürger*innen jenseits der etablierten politischen Verfahren und ergänzend dazu in der Stadtentwicklung, bei der Gestaltung des eigenen Arbeits-, Wohn- und Lebensumfeldes auf Augenhöhe und substantiell mitreden, mitplanen und mitentscheiden – von Anfang an. Ich habe den Eindruck, dass gutes gesellschaftliches Miteinander zu seinem Gelingen Orte der besonderen Bestärkung und Befähigung braucht. Möglichkeiten zu eigener Teilhabe sind von allen am Prozess Beteiligten hier auf dem Feld geschaffen worden und stehen wie die Feldkoordination allen Interessierten offen.


Welche Aufgaben erledigen Sie als Feldkoordinator?

Neben der Begleitung der tier- und naturschutzfachlichen Themen in der Bewirtschaftung des Feldes insbesondere die gemeinsame Planung und Strukturierung der Prozesse für die Entwicklung einzelner Feld-Bereiche (aktuell an der Oderstraße, am Tempelhofer Damm und in der „Alten Gärtnerei“). Weiter die thematische Aufbereitung der Ergebnisse aus diesen Entwicklungs- und Beteiligungs-Prozessen, die dann der Öffentlichkeit in Feldforen vorgestellt werden und allen dort Anwesenden gemeinsam das Finden von Entscheidungen mit Empfehlungscharakter für die künftige Umsetzung ermöglichen. Dabei ist es mir ein besonderes Anliegen, dass Ergebnis-Offenheit und Beteiligung der Öffentlichkeit an den Planungen gewahrt bleiben. 


Nennen Sie 3 Fähigkeiten, die zur Ausübung des Amtes nützlich sind!

Ich finde, dass Geduld, eine konstruktive Haltung und Verständnis für die Situation der jeweils anderen Vertreter*innen und deren besondere Verpflichtungen und Hintergründe hilfreich wären. Manchmal braucht es davon vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als jetzt schon vorhanden ist.


Was empfinden Sie aktuell als große Herausforderung des Gremiums?

Das Tempelhofer Feld gemeinsam zu einem Ort zu machen, den noch mehr Besucher*innen für sich selbst als etwas Schönes und Gewinnbringendes begreifen und auf das sie nicht verzichten möchten. Einen Ort, an dem sie erfahren, dass er ihrer Gesundheit dient, an dem sie Sport treiben und Ausgleich und Erholung finden, um nur einige Punkte zu nennen  – mitten in der Stadt. Ein Ort, mit dem sie sich unter diesen Gesichtspunkten identifizieren wollen und können und für den sie sich einzusetzen bereit sind.

Die Studie des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung UFZ zur „Gesellschaftlichen Wertigkeit des Tempelhofer Feldes“, die im Auftrag der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz erstellt wurde ist ein wichtiger erster Schritt, damit in einer künftig sicher härter geführten Diskussion um die Nutzung des Tempelhofer Feldes der Wert des Tempelhofer Feldes beispielsweise für Freizeit- und Gesundheitsnutzung gleichberechtigt neben anderen Themen in die Waagschale geworfen werden kann. https://www.berlin.de/sen/uvk/natur-und-gruen/stadtgruen/stadtgruen-projekte/tempelhofer-feld/studie-gesellschaftliche-wertigkeit/

Das weiter herauszuarbeiten und in der Art, wie das Feld sich selbst darstellt erfahrbar zu machen, das sehe ich momentan als eine der herausforderndsten Aufgaben.


Welches war der beste Moment, den Sie als Feldkoordinator*in hatten?

Da fällt es mir schwer, einen Moment gesondert herauszugreifen. Sicher dazu gehört die erste Sitzung der Feldkoordination, als die Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft unter den neu geschaffenen Vorzeichen und auf Augenhöhe losging. Dann immer wieder Momente, wenn diese Zusammenarbeit durch den Beschluss einer Geschäftsordnung oder die Einigung auf das systemische Konsensverfahren gemeinsam um einen weiteren konstruktiven Schritt vorangebracht wurde oder immer wieder einzelne Gruppen - gleich, ob aus Verwaltung, Politik oder Zivilgesellschaft – konstruktiv über ihren Schatten sprangen, um das Verfahren weiter zu bringen. Insbesondere Letzteres hat mir großen Respekt abgenötigt. Das zähle ich schon zu den „Besten Momenten“.


Was würden Sie Menschen raten, die sich für das Amt der Feldkoordinator*in interessieren und mitmachen möchten?

BEWERBEN SIE SICH! Scheuen Sie sich nicht! Auf Sie kommt es an, auf Ihre Fähigkeiten und Kenntnisse, auf Ihre persönliche Sicht auf das Feld und auf Ihr konstruktives Mittun und Ihre Beiträge. Erfahrung und eigene Expertise in konkreten Arbeitsfeldern, die Ihnen möglicherweise jetzt noch nicht vertraut sind, erwerben Sie sich ganz sicher bei der Beschäftigung mit denjenigen Themen des Tempelhofer Feldes, die Ihnen am Herzen liegen. 

10.08.2021


Wilfried Buettner ist seit 1985 Berliner und dem Tempelhofer Feld seit langem verbunden, von 2016 bis heute als Feldkoordinator. Er gärtnert am Südrand des Feldes und ist am Tempelhofer Damm 103 für den Träger des „Interkulturellen Gartens für Berlin-Tempelhof“ in der Unterstützungsarbeit für Geflüchtete im Bezirk aktiv.


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